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Martin Gamnitzer

 

Zum Neustart des LVB Internetauftritts

Gestern hat die Leipziger Verkehrbetriebe GmbH eine komplette Überarbeitung ihrer Webseiten fertiggestellt und veröffentlicht – ein eigenes „LVB-Internet“, wie in der Presseerklärung nachzulesen ist.

Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Während die Leipziger Volkszeitung und die Leipziger Internetzeitung den neuen Auftritt loben und ihn für „sichtbar kundenorientiert“ (l-iz) halten, sind die meisten Kommentare bei Twitter von Ablehnung und Entsetzen geprägt.

Heute werde ich mich an einer tiefergehenden Analyse und Bewertung des neuen Auftritts versuchen.

Das Design – der erste Eindruck

Bei meinem ersten Besuch des neuen Internets (sic!) war ich vor allem geplättet – so viel grau, der gestreifte Hintergrund, ein fetter gelber Streifen am unteren Bildschirmrand, eine Orientierung viel mir schwer.

Darin manifestiert sich der aus meiner Sicht stärkste Kritikpunkt an dem Webangebot der LVB: Farbgestaltung und Kontraste scheinen in der Usabilitybetrachtung untergegangen zu sein. Das ein gestreifter Hintergund vor zehn Jahren modern war, darüber könnte man hinwegsehen. Doch die insgesamt dunkle Erscheinung ist problematisch. Es gibt viele künstlerisch wertvolle und beeindruckend gestaltete Webseiten mit einem dunklen Farbthema, keine Frage. Aber wir reden hier nicht über die Portfolioseiten eines Grafikdesigners, sonder über ein Portal eines lokalen Verkehrsbetriebes. Funktionalität und einfache Nutzbarkeit sollten hier an erster Stelle stehen. Und dazu gehören auch gute Kontraste sowie die optische Hervorhebung der wichtigsten Funktionen. Bei der LVB springen nur aktuelle Warnmeldungen sowie der (völlig sinnlose, platzfressende) Balken am unteren Fensterrand ins Auge.

Nicht minder entsetzt war ich von der Geschwindigkeit der Seite. Ganze zehn Sekunden dauerte das Laden der Startseite! Doch war dies vielleicht nur Folge des hohen Ansturms nach dem Relaunch. Heute läuft die Seite einigermaßen flott und würde auch noch etwas besser laufen, wenn nicht auf jeder Seite der Versuch scheitern würde, Piwik korrekt einzubinden.

Insgesamt bin ich von dem neuen Design sehr enttäuscht. Die Liste an ungenügenden Umsetzungen ließe sich noch eine Weile erweitern, für mich ist dies aber genug des Bashings.

Funktionen im Detail

Nachdem der erste Eindruck sich gesetzt hat, kann man nun in die Tiefe gehen. Tatsächlich finden sich auf der Startseite wichtige und oft genutzte Funktionen recht zentral und somit schnell auffindbar.

Bisher habe ich die Seiten der LVB nur genutzt, um Verbindungsinformationen zu suchen, also fange auch jetzt damit an. Die automatische Vorschläge bei der Haltestelleneingabe und die AJAX-gestützte Suche finde ich prima, aber auch zeitgemäß. Sehr gut gelungen finde ich die Integration von Google Maps, die nicht nur Ziel- und Endhaltstelle, sondern auch den Fahrtweg mit allen Zwischenhalten anzeigt. Dummerweise ist die Karte riesig, die Auflistung der konkreten Fahrtzeiten musste ich erstmal suchen – bei einer „Standard-“Auflösung von 1024×768 Pixeln sind sie ohne Scrollen nicht mehr zu sehen.

Wenn ich eine hübsche „Web-2.0-Funktion“ sehe, muss ich immer gleich JavaScript deaktivieren und testen, ob es auch ohne geht – immerhin erhebt man bei der LVB auch den Anspruch der Barrierefreiheit. Aber es geht leider nicht! Die Eingabefelder sind gesperrt, man kann nicht mal hineinschreiben. Jedoch: Wenn man noch einen Schritt extremer wird und die Stylesheets deaktiviert, geht es wieder.

Insgesamt hebt sich diese Funktion sehr positiv von der alten Umsetzung ab, hat aber einige nicht unwesentliche Schwächen.

Der zweite Hauptmenüpunkt – „Tarife“ – enthält eine Reihe fragwürdiger Piktogramme, die Auflistung der einzelnen Tarifoptionen ist aber übersichtlich und selbsterklärend. Auffällig ist hier aber, das der Beschreibungstext im Gegensatz zur restlichen Seite schwarz auf weißem Grund ist -Teilweise mit Scrollbalken, z.B. bei „Servicestellen“ oder den Pressemitteilungen. Es wirkt völlig unpassend und provisorisch/unfertig.

„Interessant“ ist auch die Suchfunktion. Leider habe ich bisher noch keinen Suchbegriff finden können, der dem System bekannt ist. Aber vielleicht kommt das ja noch. Ebenso wie die Mehrsprachigkeit, welche laut l-iz erst im Februar kommen soll.

Die meisten anderen Funktionen habe ich nie genutzt und werde sie wahrscheinlich auch nicht nutzen, so dass ich hier auch keine Kritik abgegeben kann.

Fazit

Die Seite bietet einige hübsche Funktionen, um das „Erlebnis“ für den Nutzer möglichst sinnvoll zu gestalten. Damit hebt sich das Angebot der LVB definitiv von vergleichbaren Seiten in der Branche ab. Insgesamt wirkt die Seite aber völlig unfertig. Grundsätzliche Regeln der Usability oder Barrierefreiheit werden ignoriert. Und doch wird der Anspruch erhoben, barrierefrei zu sein und ein Produkt geschaffen zu haben, dass „den Anforderungen der nächsten Jahre gerecht wird“ (Peter Nebe, LVB).

Man kann nicht sagen, dass die 50.000 € für dieses Projekt in den Sand gesetzt wurden. Aber mit einigen einfachen Mitteln hätte man den Wert dieser Seiten erheblich steigern können. Hier wurde eine gute Chance vertan, etwas wirklich innovatives zu schaffen. Schade.

Nachtrag: Daniel Große war schneller und hat bereits seine Analyse der LVB-Seiten veröffentlicht. Er geht noch auf einige weitere Aspekte wie Suchmaschinenoptimierung ein, die Grundaussage deckt sich mit meinen Ansichten.

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