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Martin Gamnitzer

 

Kommentar zur 1. leipziger “Nerd Nite”

Heute Abend wurde im Beyerhaus die erste leipziger Nerd Nite abgehalten.
Nerd Nites bestehen aus kurzen Vorträgen zu wissenschatlichen Spezialthemen (meist aktuelle Ergbenisse der eigenen wissenschaftlichen Arbeit) und anschließenden Diskussions- und Fragerunden.
Der Saal im Beyerhaus war heute Abend jedenfalls sehr gut gefüllt (vorrangig mit Studierenden). Neben der angekündigten “Wissenschaft mit Bier” gab es leider auch noch jede Menge Nikotin.
Geleitet wurde die Veranstaltung durch zwei recht clowneske, übtrieben stereotype Nerds, die zwischen den Vorträgen mäßig komische Spiele organisierten und Biergutscheine verteilten.

Die drei Vorträge des Abends kamen dann aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen.
Den Anfang machte Björn Fischer mit einem kurzen Abriss des Steuerrechts für gemeinnützige Vereine mit einem Schwerpunkt auf der diffizilen Abgrenzung zwischen Spenden und Sponsoring. Das ist vielleicht nicht unbedingt sehr wissenschaftlich, aber auch nicht übertrieben nerdig und war für einige Anwesende von aktuellem Interesse.

Ihm folgte Oliver Jan Wagner vom Max Planck Institut für evolutionäre Antropologie mit einem Projekt zur langfristen Sammlung und automatisierter Analyse von Schimpansenlauten. Hier wurde ganz deutlich, was man auf einer Nerd Nite nicht machen darf: einen gewöhnlichen wissenschaftlichen Vortag halten. Wissenschaftliche Vorträge unter Gleichgesinnten sind in der Regel sehr speziell, komplex und für aussensthende kaum nachzuvollziehen. Bei einem inhomogenen Publikum führt das schnell zu langer Weile und – wie sich heute deutlich zeigte – einem steigenden Lärmpegel bei denen, die eigentlich nur zuhören sollten.

Vortrag Nummer 3 war der für mich spannenste und gelungenste: Jan-Ole Reichardt vom Translationszentrum für Regenerative Medizin Leipzig präsentierte eine ethisch-philosophische Risikobewertung der Xenotransplantation, insbesondere bezogen auf Schweine. Dabei ging es nicht um die oft anzutreffenden Vorbehalte, tierische Teile im Menschen zu verbauen, sondern um handfeste Gefahren, die durch das Einbringen tierischer Krankheitserreger in den Menschen entstehen können, wie diese Gefahren zu bewerten sind und welche gesellschaftlichen Diskussionen dadurch im Vorraus angestoßen werden sollten.
Wenn es gelingt, zukünftige Vorträge auf diesem Niveau anzubieten (und man vielleicht eine rauchfreie Räumlichkeit anbietet), kann sich die Nerd Nite in Leipzig zu einem spannenden Treffen wissenschaftlich Interessierter aller Fachbereiche etablieren.

Die nächste Nerd Nite findet übrigens am 10. Februar 2011 statt. Wer nicht nur zuhören, sondern selber referieren möchte, kann sich über presse@beyerhaus.de anmelden.

Update (14.01.2011):

6 Kommentare zu “Kommentar zur 1. leipziger “Nerd Nite””

  1. Jan-Ole Reichardt sagt:

    Hi Martin,

    jemand der kein Blatt vor den Mund nimmt und die Schwächen der 1. LNN auch nicht verschweigt! Puh, bin ich da froh so gut weggekommen zu sein.

    Herzliche Grüße,
    Jan

    P.S.: Mein Name schreibt sich mit “ch” statt “n” nach dem “i” :D

    • martin sagt:

      Oha, sorry, habe ich korrigiert. Ich mache mal die große Entfernung zwischen mir und der Leinwand dafür verantwortlich :)

      Ansonsten kann man natürlich nicht erwarten, dass bei so einer Veranstaltung beim ersten Mal gleich alles perfekt läuft.
      Und die Geschmäcker und Erwartungen sind sicher auch verschieden, einige fanden die Späßchen zwischendurch ja sehr lustig.

  2. Oliver Jan Wagner sagt:

    Hi Martin, danke für dein Kommentar. Ich kann mit der Kritik leben. Ich habe selbst gerade gegen Ende gemerkt, dass es etwas zu technisch wurde. Auch wäre es natürlich schön gewesen ein paar Audioaufnahmen abzuspielen.

    Allerdings war der Vortrag noch sehr weit weg von einem wissenschaftlichen Vortrag unter Gleichgesinnten, aber wie du schon richtig festgestellt hast wahrscheinlich noch nicht weit genug weg.

    Ich fand die Nerd Nite fürs erste mal in Leipzig ganz gut. Vielleicht gibt es ja in Zukunft noch mehr Leute die sich denken: “Na das kriege ich aber besser hin.” Damit sich das ganze in eine gute Richtung entwickelt.

    Viele Grüße

    Oliver

    • martin sagt:

      Hallo Oliver,

      ich wollte nicht Deinen Vortrag an sich kritisieren, sondern fand ihn nur in dem Rahmen unpassend.
      Klar, ein richtiger wissenschaftlicher Vortrag ist noch wesentlicher tiefer, dafür war hier auch gar nicht die Zeit. Aber gerade durch die Kneipenatmosphäre wollten viele vor allem unterhalten werden, denke ich. Das macht das vermitteln knackiger Themen nicht einfacher.

      Doch wer weiß, vielleicht entwickelt sich auch die Zusammensetzung des Publikums und beim nächsten Mal ist der Anteil derer, die ernsthaft zu hören wollen, bedeutend größer.

  3. Tobias sagt:

    Hallo Martin,

    hier schreibt einer der Clowns vom gestrigen Abend. Deine Kritik stößt auf offene Ohren, auch wir wussten vorher nicht, mit welchen Erwartungen die Leute ins Beyerhaus kommen.
    Ein paar Späße sollen dabei keine Abwertung des ernsthaften Ansatzes sein, vielmehr eine kleine Auflockerung im Sinne der Popkultur. Und es sei ohne Zweifel zu sagen: Wir machen uns mitnichten über Nerds lustig, denn auch durchs Mikro haben wir zu verstehen gegeben, dass wir von Klischees sprechen und Nerds in unseren Augen vor allem eins sind: Fachpersonal.

    Wenn wir dabei übertrieben wirken, dann nur, um die von der LVZ beschriebene liebenswerte “Selbstironie” ins Spiel zu bringen und den Vortragenden den Kontrast zu überlassen – von denen war ja nun keiner so idiotisch angezogen ;)

    Am Technischen wird mit Sicherheit auch gearbeitet und die zweite Nerd Nite wird also definitiv eine V1.2 werden.

  4. Adelina Horn sagt:

    Hallo Martin,

    nach deinen Eidnrücken der 1. Leipziger Nerd Nite bin ich dann am 9. Februar zur 2. Veranstaltung dieser Reihe gewesen. Grundsätzlich kann ich deinen Eindruck nur bestätigen. Ein guter Vortrag sorgt auch für Ruhe und Aufmerksamkeit unter den Zuhörern. Doch sobald es mal etwas länger gedauert hat, war die Unruhe deutlich hörbar, was auch den Referenten sichtlich zugesetzt hat. Auch das “Rauchproblem” kann ich bestätigen. Ich habe meine Impressionen des Abends ebenfalls in einem Blgoartikel zusammengefasst: http://www.leipzig-leben.de/nerd-nite-leipzig-beyerhaus/ Werde am 8. März auch die nächste Veranstaltung besuchen. BIn gespannt, wie sich das Formar entwickelt. Potential hat es ja – finde ich. Grüße! Adelina